Digitalisierung · Entscheidungshilfe
Die richtige Software beginnt mit den richtigen Fragen.
Funktionslisten sehen schnell überzeugend aus. Entscheidend ist, ob eine Lösung Ihre Arbeit wirklich erleichtert. Ein Vorgehen von der Anforderung bis zum getesteten Datenexport.
Die Vorführung war überzeugend. Die Oberfläche aufgeräumt, die Berichte anschaulich, die Funktionen zahlreich. Erst nach der Einführung fällt auf: Eine Ausnahme im Bestellprozess lässt sich nicht abbilden. Eine wichtige Schnittstelle kostet extra. Und die Stammdaten müssen doch noch bereinigt werden.
Die Auswahl sollte deshalb bei einer anderen Frage beginnen: Welche konkrete Arbeit soll nach der Einführung besser funktionieren? Das folgende Vorgehen ist eine Arbeitsgrundlage für Ihre Entscheidung, keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter.
01Die Aufgabe beschreiben, bevor Sie Anbieter vergleichen
„Wir brauchen ein neues CRM“ nennt bereits eine Lösung. „Anfragen gehen verloren, weil niemand die nächste Aktion verantwortet“ beschreibt ein Problem. Beides kann zusammenhängen. Es ist aber auch möglich, dass zuerst eine Zuständigkeit geklärt werden muss.
Beschreiben Sie einen Ablauf vom Auslöser bis zum Ergebnis. Wer arbeitet daran? Welche Informationen werden benötigt? Wo wartet jemand, erfasst doppelt oder korrigiert Fehler? Fragen Sie die Menschen, die den Ablauf täglich ausführen, und halten Sie Unterschiede zwischen Standorten oder Kundengruppen fest.
02Muss-Kriterien von Wünschen trennen
Ein Muss-Kriterium entscheidet darüber, ob eine Lösung überhaupt infrage kommt. Eine Präferenz hilft, geeignete Lösungen zu unterscheiden. Vermischen Sie beides, kann eine hohe Gesamtpunktzahl einen entscheidenden Mangel verdecken.
- Muss: Der geprüfte Kernprozess funktioniert, erforderliche Daten lassen sich übertragen, notwendige Berechtigungen sind abbildbar.
- Präferenz: Eine bestimmte Ansicht spart Klicks, ein Bericht ist bereits vorkonfiguriert oder die Oberfläche gefällt dem Team besser.
- Später: Funktionen, für die heute weder ein konkreter Bedarf noch eine verantwortliche Person vorhanden ist.
Dokumentieren Sie zu jedem Muss-Kriterium den Nachweis: praktisch getestet, schriftlich zugesagt oder noch offen. „Laut Anbieter möglich“ ist eine andere Sicherheit als ein bestandener Test. Nicht geklärte Punkte bleiben sichtbar, statt stillschweigend als erfüllt zu gelten.
03Mit denselben Fällen testen
Geben Sie allen Kandidaten denselben kleinen Testauftrag. Nutzen Sie geeignete Testdaten und drei Fälle: einen normalen Vorgang, eine häufige Ausnahme und eine Korrektur. Bei sensiblen Informationen genügen zunächst realitätsnahe, erfundene Datensätze.
Beispiel, keine Kundenreferenz: Ein Unternehmen testet einen Auftrag mit mehreren Lieferterminen. Danach ändert es eine Position und prüft, ob die Änderung in Lagerplanung und Rechnungsvorbereitung ankommt. Erst dieser Ablauf zeigt, ob die Systeme tatsächlich zusammenspielen.
Lassen Sie auch das spätere Team selbst arbeiten. Beobachten Sie, wo Erklärungen nötig sind. Notieren Sie benötigte Anpassungen und wer sie bezahlt, umsetzt und später pflegt. Eine gut vorbereitete Vorführung ersetzt diesen Praxistest nicht.
04Die Gesamtkosten und den Ausstieg prüfen
Vergleichen Sie Angebote über denselben Zeitraum und mit denselben Annahmen. Neben Lizenzen gehören Einführung, Datenbereinigung, Migration, Schnittstellen, Schulung, interner Zeitaufwand und laufende Betreuung in die Betrachtung. Zeigen Sie Mehrkosten bei mehr Nutzern oder höherem Datenvolumen separat.
Fragen Sie auch: Was passiert bei einem Wechsel? Welche Daten, Anhänge und Verknüpfungen erhalten Sie in welchem Format? Wer unterstützt den Export, was kostet er und wie viel Zeit bleibt dafür? Lassen Sie einen kleinen Export tatsächlich durchführen. Eine CSV-Datei allein belegt noch nicht, dass die für den Betrieb benötigten Zusammenhänge erhalten bleiben.
Für Cloud-Dienste bietet das BSI eine vertiefende Orientierung zur sicheren Nutzung über den gesamten Vertragszeitraum, einschließlich Vertragsende.1 Ob eine konkrete Lösung Ihre Datenschutz-, Sicherheits- und Vertragsanforderungen erfüllt, muss gesondert geprüft werden.
05Eine Entscheidung festhalten, die später noch verständlich ist
Fassen Sie die Auswahl auf einer Seite zusammen. So bleibt nachvollziehbar, warum Sie sich entschieden haben und unter welchen Bedingungen die Entscheidung gilt.
- Ziel: Welcher Ablauf soll sich wie verbessern?
- Vergleich: Welche Optionen, einschließlich einer Verbesserung des bestehenden Systems, wurden geprüft?
- Nachweise: Welche Muss-Kriterien wurden wie getestet?
- Kosten: Welche Annahmen, internen Aufwände und laufenden Kosten liegen zugrunde?
- Offene Punkte: Was muss vor Beauftragung oder Einführung noch geklärt werden?
- Einführung: Wer verantwortet Daten, Schulung, Abnahme und Betrieb?
Der nächste Schritt ist ein begrenzter Pilot mit definierten Erfolgskriterien. Wenn die täglichen Nutzer einen vollständigen Ablauf bewältigen und die Übergabe in den Betrieb vorbereitet ist, haben Sie eine belastbarere Grundlage für die weitere Einführung.
Bei dieser Vorbereitung unterstützt unsere IT- und Digitalisierungsberatung. Wenn Standardsoftware den geprüften Bedarf nicht abdeckt, vergleichen wir sie mit einer individuellen Lösung, einschließlich Entwicklungs- und Betriebsaufwand.
Weiterführende Quelle
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Secure Use of Cloud Services. Die Quelle ergänzt die Hinweise zur sicheren Cloud-Nutzung; das Auswahlvorgehen in diesem Beitrag ist eine redaktionelle Arbeitsgrundlage von DLI Consulting.